Die "Schneeberger Bergkrankheit"
Unter "Schneeberger Bergkrankheit" versteht man den strahlenbedingten Bronchial- oder Lungenkrebs durch Inhalation
des radioaktiven Edelgases Radon und seiner radioaktiven Zerfallsprodukte. Seit über fünf Jahrhunderten sind die
Symptome der Schneeberger Bergkrankheit bekannt. Die Ursachen dafür erkannte man jedoch erst im 19. bzw. 20.
Jahrhundert.
Bereits 1168 entdeckte man im Raum der heutigen Stadt Freiberg oberflächennah anstehende Silbervorkommen. Innerhalb
weniger Jahrzehnte dehnte sich der nun entstehende Silberbergbau auf das gesamte mittlere Erzgebirge aus. Nachdem
Mitte des 14. Jahrhunderts der Bergbau aufgrund schwindender Silbervorkommen zurück gegangen war,
erlebte die Region Mitte des 15. Jahrhunderts durch neue reiche Silberfunde am Schneeberg eine erneute Blütezeit.
Bis Ende des 17. Jahrhunderts wurden die meisten Bergbaugebiete im Erzgebirge durch einen starken Rückgang der Ausbeute
aufgegeben. Da am Schneeberg jedoch immer noch andere wertvolle Erze wie Kobalt, Wolfram, Nickel, Arsen und Wismut gewonnen
werden konnten, hat sich dort der Bergbau bis in die jügste Vergangenheit halten können.
Schon Ende des 15. Jahrhunderts traten in der Region um den Schneeberg bei den Bergleuten vermehrt chronische
Lungenerkrankungen auf, die unter der Bezeichnung "Bergsucht" zusammengefasst wurden und deren Ursache lange unklar war.
Im dem 18. Jahrhundert
fiel auf, dass vor allem im Schneeberger Gebiet sehr häufig noch sehr junge Bergleute an der Bergsucht erkrankten
und schon nach wenigen Monaten bis Jahren starben. Diese Form der Bergsucht wurde "Schneeberger Bergkrankheit" genannt.
Mitte des 19. Jahrhunderts gelang dem Schneeberger Bergarzt HÄRTING zusammen mit dem Bezirksarzt HESSE durch
Autopsien zahlreicher Bergleute der Nachweis, dass die Schneeberger Bergkrankheit eine "berufsbedingte" Form von
Lungenkrebs ist. Man nahm an, dass das in den Erzen reichlich vorkommende Arsen zusammen mit dem Gesteinsstaub
die karzinogene Wirkung hätte. Erst 1896 mit der Entdeckung der Radioaktivität durch Henri BECQUEREL sowie
des Radiums 1898 durch das Ehepaar CURIE wurden neue mögliche Ursachen gefunden. 1936 erkannten
BRANDT und RAJEWSKI, dass der Schneeberger Lungenkrebs durch das Einatmen des Edelgases Radon verursacht wird.
1951 konnte der amerikanische Forscher BALE nachweisen, dass nicht Radon, sondern auch dessen radioaktiven
Zerfallsprodukte den Krebs verursachen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde auf dem Gebiet der DDR durch die SAG/SDAG Wismut im Raum Schneeberg Uran abgebaut. Obwohl die Sicherheitsmaßnahmen
für die Bergleute erhöht wurden, konnte der Ausbruch des Lungenkrebses nur verzögert, nicht aber
verhindert werden.
Aus den detailliert vorliegenden Arbeitsdaten von ca. 60.000 ehemaligen Wismut-Mitarbeitern wird derzeit vom
Bundesamt für Strahlenschutz eine Uranbergarbeiterstudie durchgeführt. Ziel ist die Untersuchung des
radonbedingten Lungenkrebsrisikos (s. hierzu auch BfS-Info).
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