Allgemeine Informationen
Vor mehr als 30 Jahren wurden seitens nationaler und internationaler Strahlenschutzbehörden
erste Untersuchungsprogramme zum Thema Radon im Hinblick auf dessen gesundheitsgefährdende
Wirkung aufgelegt. Neben wissenschaftlicher Grundlagenforschung wurden Messungen der
Radonkonzentration in verschiedenen Umweltmedien (z.B.: Raumluft, Bodenluft, Wasser)
durchgeführt. In den ersten Jahren standen zumeist Übersichtsmessungen mit dem Ziel
einer ersten Datenerfassung im Vordergrund; die Auswahl der Messorte erfolgte in der
Regel zufällig und räumlich nicht gleich verteilt. Rasch zeigte sich aber die
Notwendigkeit systematischer Untersuchungen.
Von Land zu Land wurde ein anderer Schwerpunkt bei der Durchführung des Messkampagnen
gesetzt. Grundsätzlich interessiert unter dem Gesichtspunkt der Gesundheitsvorsorge die
Strahlenexposition der Bevölkerung bzw. des Einzelnen durch die Inhalation von Radon
und seinen Folgeprodukten. Ein möglicher Zugang sind daher Messungen der Radonkonzentration
in privaten und öffentlichen Gebäuden. Diese Strategie wurde beispielsweise in England
oder in der Schweiz verfolgt. Beim anderen Ansatz wird die Quelle des Radon, der
geologische Untergrund, untersucht; dementsprechend werden Messungen der
Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft durchgeführt (z.B.: Deutschland, Schweden).
Die Ergebnisse der Messungen wurden in aller Regel statistisch aufbereitet und kartographisch dargestellt.
Die einer solchen "Radonkartierung" zugrunde liegenden Kriterien (z.B.: zu messendes Medium,
Messpunktdichte, Auswahl und Darstellung unterschiedlicher statistischer Kennwerte)
variieren aber von Land zu Land sehr deutlich. Als Bezugseinheit für die Darstellung werden
zumeist Verwaltungseinheiten gewählt, in einigen Fällen aber auch naturräumliche
Parameter wie die Geologie. Oftmals ist das Resultat einer solchen Kartierung die
Identifizierung von "Radongebieten" bzw. die Einstufung von Gebieten in Klassen
unterschiedlichen "Radonrisikos" (z.B.: niedrig - mittel - hoch); auch die hier angelegten
Kriterien unterscheiden sich deutlich voneinander (z.B.: Richt- oder Grenzwertüberschreitung,
Überschreitungshäufigkeit von Klassengrenzen).
Neben diesen - mehr oder weniger - flächendeckenden Messungen sind in einigen Ländern
gezielte Fallstudien (z.B.: Umhausen/Tirol) sowie exemplarische Untersuchungen zum
Radonschutz bei Neubauten sowie zur Sanierung bereits bestehender Gebäude durchgeführt
worden. Durch Öffentlichkeitsarbeit ist die Radonproblematik zur Zeit wieder stärker in
den Mittelpunkt des Interesses gerückt - sowohl in der breiten Bevölkerung als auch
gezielt bei bestimmten Berufsgruppen wie Architekten oder Bauingenieuren. In der Schweiz
wird momentan ein Radon-Sachverständigenwesen aufgebaut; auch in Deutschland laufen die
ersten Bestellungsverfahren. Parallel dazu wird Radon im Rahmen der Risikokommunikation -
beispielsweise bei Bauvorhaben der öffentlichen Hand - zunehmend thematisiert. So
werden Betroffene (z.B.: Bewohner in Gebieten mit erhöhten Bodenluftkonzentrationen)
über das im Vergleich zu anderen Umweltnoxen weitaus höhere Risiko für den Einzelnen
aufgeklärt.
Resultat der Untersuchungsprogramme waren zumeist gesetzliche Regelungen, so dass
mittlerweile in zahlreichen Ländern Europas Richt- und/oder Grenzwerte für die
Radonkonzentration in Wohngebäuden oder an Arbeitsplätzen existieren, wenn auch in
verschiedener Höhe. Gleichzeitig wurden Baubestimmungen erlassen, die - generell oder
lokal begrenzt - präventive Schutzmaßnahmen für Neubauten vorschreiben. Im Folgenden
ist für verschiedene europäische Länder der Stand der Radonuntersuchungen kurz
zusammengefasst.
Die einzelnen Staaten orientieren sich bei der nationalen Gesetzgebung für Wohngebäude
zum überwiegenden Teil an den Werten der EU-Empfehlung (1990).
Grundsätzlich sind Richt- bzw. Grenzwerte für Neubauten niedriger oder höchstens
genauso hoch wie diejenigen für bestehende Gebäude. Für Neubauten wird in der
Regel ein Wert von 200 Bq/m3 angesetzt, für bereits bestehende Gebäude ein
Wert zwischen 200 und 400 Bq/m3. Außerhalb dieser Spanne liegen beispielsweise
der Richtwert von 150 Bq/m3 für Neubauten und bestehende Gebäude in
Luxemburg - gleiches gilt übrigens auch für die USA - und der Grenzwert von 1.000
Bq/m3 für Wohn- und Aufenthaltsräume in der Schweiz.
Es sei aber darauf hingewiesen, dass epidemiologische Studien
gezeigt haben, dass bereits ab Radonkonzentrationen von 140 Bq/m3 ein Anstieg des
Lungenkrebsrisikos zu verzeichnen ist. Insofern entsprechen die genannten EU-Empfehlungen nicht
mehr dem neuesten wissenschaftlichen Kenntnisstand; als Konsequenz wären neue Regelungen notwendig.
In Deutschland präferiert die Bundesregierung aus
diesen Gründen einen Zielwert der Radonkonzentration von 100 Bq/m3, der
bei Neubauten durch präventive Bau- und bei Altbauten durch geeignete Sanierungsmaßnahmen
erreicht werden soll.
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