Radonmessung in der Raumluft
In der Regel wird die Radonkonzentration in der Raumluft mit Hilfe von Langzeitmessungen ermittelt.
Standardmäßig kommt ein integrierendes Kernspurmessverfahren mit sogenannten Diffusionskammern
mit Exposimetern (auch unter den Begriffen "Festkörperspurdetektor" oder "Kernspurdetektor" bekannt)
zum Einsatz. Vorteile dieser Methode sind die einfache Handhabung und die günstigen Kosten; daher
werden routinemäßige Messungen in Wohngebäuden oder an Arbeitsplätzen fast ausschließlich
auf diese Weise durchgeführt.
Der Detektor (Exposimeter) ist ein Plastikfilm mit einer Fläche von 1 bis 10 cm²
und einer Dicke von 0,1 bis 1 mm. Als Detektormaterialien kommen Allyldiglykolpolycarbonat (z.B.: CR-39),
Biphenylpolycarbonat (z.B.: Makrofol) oder Zellulosenitrat (z.B.: Kodak LR 115) zum Einsatz.
Der Detektor ist am Boden oder im Deckel einer Diffusionskammer befestigt. Die radonhaltige Luft diffundiert
durch die gesamte Gehäusewandung in die Messkammer ein; Radonfolgeprodukte, Staub und Feuchte werden
hierbei zurückgehalten. Der Diffusionswiderstand muss ausreichend groß sein, um das Eindringen
von Thoron (Rn-220; Halbwertszeit: ca. 55 Sekunden) in die Kammer zu verhindern. Manche Hersteller verwenden
Messkammern, in die Luft ausschließlich durch einen Filter hineingelangen kann.
Das eindiffundierte Radon zerfällt in der Kammer unter Aussendung von Alphateilchen in seine z.T.
ebenfalls alphastrahlenden kurzlebigen Folgeprodukte. Die Alphateilchen dringen bis 60 µm
tief in die Plastikfolie ein und erzeugen dabei durch Ionisation und Aufbrechen der Polymerbindungen eine
submikroskopische Spur mit einem Durchmesser von etwa 10 nm. Diese Spuren werden durch Ätzen der Folie
z.B. mit Lauge oder mit Lauge und Alkohol in einem elektrischen Wechselfeld (elektrochemische Ätzung)
auf konische oder zylindrische Ätzgruben oder Löcher von 1 bis 100 µm vergrößert.
Diese werden mit lichtoptischen Verfahren identifiziert und gezählt. Die Spurendichte ist proportional
der Exposition. Der Detektor "beinhaltet" damit die mittlere Konzentration innerhalb der Messzeit als nicht
löschbare Information. Zur Bestimmung der Radonaktivitätskonzentration in Gebäuden werden
Jahresmessungen empfohlen, in Ausnahmefällen können Drei-Monatsmessungen in den Übergangszeiten
(Frühjahr oder Herbst) durchgeführt werden.
Sollten Sie Interesse an einer solchen Messung haben, können Sie
hier Exposimeter bestellen.
Werden Kurzzeitmessungen benötigt, kommt zumeist ein Aktivkohlemessverfahren zur Anwendung. Auch hierbei
handelt es sich um ein integrierendes Messverfahren, jedoch mit kürzeren Expositionszeiten. Diese liegen in
der Regel zwischen 1 und 4 Tagen. Dieses Verfahren macht sich die Tatsache zunutze, dass bestimmte Substanzen
- wie beispielsweise Aktivkohle - das in der Luft vorhandene Radon an ihrer Oberfläche adsorbieren. Die Aktivkohle
befindet sich in einem Gefäß, das am Messort offen über den gewünschten Expositionszeitraum
aufgestellt wird. Während dieser Zeitspanne lagert sich Radon an die Kohle an. Die anschließende Messung
kann auf verschiedene Arten erfolgen, beispielsweise durch Gammaspektrometrie der Folgeprodukte oder durch
Flüssigszintillometrie von Radon und seinen Folgeprodukten.
Kontinuierliche Messungen haben die Aufzeichnung eines Konzentrationsganges zum Ziel. Sie werden eingesetzt,
um beispielsweise tageszeitliche Schwankungen oder Konzentrationsverläufe verursacht durch Änderungen
in den Betriebsbedingungen (z.B.: Ein- und Ausschalten eines Lüfters) zu dokumentieren. Zum Einsatz
kommen elektronische Messgeräte mit automatischer Datenerfassung. Das zeitliche Auflösungsvermögen
des verwendeten Messgerätes bestimmt die Genauigkeit der erfassten Konzentrationsschwankungen.
Als Beispiel ist das Ergebnis eines Messvergleiches zwischen einem Gerät mit Ionisationskammer und einem
Messgerät, das mit Hilfe der elektrostatischen Abscheidung von Po-218 auf einem Halbleiterdetektor die
Radonkonzentration ermittelt, dargestellt. Die Messungen fanden im Hochbehälter eines
Wasserversorgungsunternehmens statt und liefen über einen Zeitraum von 7 Tagen. Das Gerät mit der
Ionisationskammer erfasste einen Mittelwert über jeweils 10 Minuten, das Messintervall des anderen
Messgerätes betrug 30 Minuten. Die gute Übereinstimmung beider Kurvenverläufe dokumentiert die
Vergleichbarkeit verschiedener Messverfahren bzw. -geräte. Der Gang der Radonkonzentration mit einem
Maximum jeweils in den späten Abendstunden und einem Minimum zur Tagesmitte hat seine Ursache in
den Änderungen des Betriebsablaufes. Mittags wird radonhaltiges Wasser in den Behälter gepumpt,
Radon entgast aus dem Wasser und die Radonkonzentration in der Luft steigt an. Abends wird die Pumpe
abgestellt, die Zufuhr radonhaltigen Wassers endet und die Radonaktivitätskonzentration in der
Behälterluft sinkt ab.
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