Raumluft Prognose
Die Ergebnisse der in Deutschland in den letzten Jahrzehnten durchgeführten zahlreichen
Raumluftmessungen sind aufgrund ihrer Heterogenität
(z.B.: unterschiedliche lange Messzeiträume und unterschiedliche Beprobungsdichte) nicht ohne
weiteres gemeinsam in einer Karte darstellbar. Daher existieren zur Zeit keine öffentlich
zugänglichen landesweiten, regionalen oder lokalen Karten der Radonaktivitätskonzentration
in der Raumluft.
Es ist jedoch mittlerweile möglich, mit Hilfe einheitlich erhobener Boden- und Raumluftdaten
eine flächenhafte Abschätzung erwarteter Radonraumluftkonzentrationen bzw. von
Überschreitungswahrscheinlichkeiten zu geben und diese in einer Karte darzustellen. Neue
Forschungsergebnisse belegen eindeutig den Zusammenhang zwischen der Radonaktivitätskonzentration
in der Boden- und in der Raumluft; dabei spielt selbstverständlich die Bauweise eine Rolle.
Der Zusammenhang zwischen Boden- und Raumluft lässt sich anhand eines sogenannten "Transferfaktors"
quantifizieren. Dieser Faktor beschreibt den Anteil der Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft,
der ins Haus gelangt, und wird in Promille ausgedrückt. Als Anhalt können folgende Medianwerte
für den Radontransfer dienen: Boden - Keller ca. 1,6 ‰, Boden - Erdgeschoss ca. 1,0 ‰. Auf der
Basis der interpolierten Deutschlandkarte der Radonaktivitätskonzentration
in der Bodenluft und der Verteilung der Transferfaktoren kann eine prozentuale
Überschreitungswahrscheinlichkeit in der Raumluft berechnet werden.
Für eine deutschlandweite Prognose müssen verschiedene regionale Aspekte berücksichtigt werden. Neben
der Berücksichtigung charakteristischer Bauweisen bietet sich eine Aufgliederung nach Bodenluft-Klassen an
Hier wurde die bereits existierenden Vorschläge zur Ausweisung von Radonvorsorgegebieten zurückgegriffen.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist nur eine Differenzierung nach neuen und alten Bundesländern möglich, weitere
Unterscheidungsmöglichkeiten und damit Verbesserungen der Vorhersage werden mit dem Anwachsen des
Datenpools folgen. Je nach Zielvorgabe der Prognose können unterschiedliche Aspekte betrachtet werden.
Eine Berücksichtigung ausschließlich von Referenzräumen (voll unterkellertes Massivhaus mit Beton im
erdberührten Bereich ohne Verbauung von Natursteinen als Konstruktionsmaterial) führt zu einem Bild,
das die künftige Belastung eines neuen Baubestandes reflektiert. Eine solche Prognose ist sinnvoll z.B.
für den Vergleich verschiedener Regionen im Hinblick auf die Ausweisung von Baugebieten. Die Einbeziehung
des gesamten Datenbestandes bildet dagegen auch den alten und von der Substanz her stärker
sanierungsbedürftigen Baubestand ab und weist auf Gebiete hin, in denen ggf. ergänzende Messkampagnen
durchzuführen sind.
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Überschreitungshäufigkeit > 100 Bq/m³ [%] |
Überschreitungshäufigkeit > 200 Bq/m³ [%] |
Überschreitungshäufigkeit > 400 Bq/m³ [%] |
Ein Vergleich der Prognose der Überschreitungswahrscheinlichkeit mit den Ergebnissen tatsächlicher Raumluftmessungen
zeigt die sehr gute Übereinstimmung. In der Oberpfalz im nordöstlichen Bayern wurden Überschreitungen des
EU-Planungswertes von 200 Bq/m3 im Referenzraum im Erdgeschoss fast ausnahmslos in Gebieten beobachtet,
in denen eine mindestens 10 %-ige Überschreitung dieses Wertes vorhergesagt wurde.Eine karthographische Darstellung der von uns durchgeführten Radonmessungen in Privathaushalten finden Sie auf einer gesonderten Seite.
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