Geochemie
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover hat von 1978 - 1983 die Bachwässer
und -sedimente der alten Bundesländer an über 80.000 Probepunkten systematisch auf Schwermetalle untersucht.
Dabei wurde auch das Element Uran in die Analysen miteinbezogen.
Der Uran-Gehalt der Bachsedimente spiegelt die Geochemie der oberflächlich anstehenden Gesteine
und Böden - und nicht die des unterirdischen Aquifers - wider. In primären Lagerstätten ist Uran als 4-wertiges
Ion in reduzierter Form gebunden und damit schwerlöslich. In sekundären Lagerstätten wurde es vor allem als
Uranyl-Ion aus wässriger Lösung ausgeschieden und findet sich damit in oxidierter, 6-wertiger Form als
Uranylkomplex wieder. Diese Art der Bindung im Mineralkorn ist wiederum in Gegenwart einer wässrigen
Phase unter niedrigen pH-Eh Bedingungen leicht löslich und das Uran kann leicht ausgewaschen werden.
Die Uran-Gehalte in den Bachsedimenten sind damit in erster Linie auf die schwerlöslichen primären
Vererzungen zurückzuführen. Hohe Konzentrationen treten damit in allen Kristallingebieten sowie in
Bereichen mit lokalen Urananomalien auf. Zu nennen sind insbesondere Schwarzwald, Fichtelgebirge,
Bayerischer Wald, Oberpfälzer Wald, der obere Fränkische Keuper sowie der kristalline Schutt der Alpentäler.
Uran in Bachwässern
In den Bachwässern liegt das Uran fast ausschließlich in 6-wertiger Form vor. Als 4-wertiges Ion
wird es nur unter reduzierenden Bedingungen transportiert. Die Uran-Gehalte im Wasser sind in erster
Linie auf die Lösung sekundärer Uranminerale (Uranyl-Komplexe) im Aquifer bzw. im oberirdischen Gerinne
zurückzuführen und zeigen damit eine von den Bachsedimenten abweichende räumliche Verteilung. Eine
Verfälschung der geogenen Signatur durch lösliches Uran aus Industriedüngern (Phosphate) kann in intensiv
landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht ausgeschlossen werden. Zu den Gebieten mit hohen Konzentrationen
zählen die Moränenlandschaften Nord- und Süddeutschlands, der Sandstein-Keuper und das Rotliegende des
Saar-Nahe-Beckens (sedimentäre Aufarbeitung) sowie das Neuwieder Becken (Bims-Lagen).
Einen direkten Bezug zu der Radonkonzentration in den Böden ist aus diesen Karten nicht herzuleiten. Uran
als Mutternuklid in der Uran-Radium-Reihe muss nicht im Gleichgewicht mit seinen Töchtern stehen.
Für die Freisetzung des Radon in die Bodenluft sind andere geologische und geochemische Faktoren
verantwortlich als für die Dynamik des Urans. Flächen mit hohen Urankonzentrationen >10 ppm (ca.
0,1 % der Messpunkte) weisen in der Regel allerdings hohe Radonkonzentrationen auf. Für die
übrigen 99,9 % ist ein direkt proportionaler, statistisch abgesicherter Zusammenhang zwischen Uran und
Radon allerdings nicht nachzuweisen.
Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der BGR und der E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung aus
"Geochemischer Atlas Bundesrepublik Deutschland", Hannover 1985.
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